Unfallverletzungen der Zähne
Unfallverletzungen können sowohl im Milchgebiss als auch im bleibenden Gebiss auftreten. Besonders unfallgefährdet sind die oberen Frontzähne. Je nach Art des Trauma können unterschiedlichste Arten von Verletzungen vorkommen. In vielen Fällen sind sogar mehrere Zähne betroffen, u.U. mit unterschiedlichen Schweregraden. Im Wesentlichen werden folgende Verletzungsarten unterschieden:
Unkomplizierte Kronenfrakturen ohne Pulpaeröffnung (= Nerveröffnung)
Komplizierte Kronenfrakturen mit Pulpaeröffnung
Kronen-Wurzelfrakturen
Wurzelfrakturen
Luxationsverletzungen (Zahnlockerung)
Intrusion (Zahn ist in den Kiefer hineingeschlagen)
Avulsion (Zahn ist vollständig ausgeschlagen)

Beispiel für eine komplizierte Kronenfraktur. Nach der medikamentösen Pulpaabdeckung konnte das vorhandene Kronenfragment mit einem Klebesystem wieder befestigt werden.
Zahnärztliche Therapie nach einem Unfall
Im Falle von unkomplizierten Kronenfrakturen können nicht mehr vorhandene Zahnfragmente heute nahezu problemlos mit Kunststoffen dauerhaft ersetzt werden. Ist das Bruchstück vorhanden, so wird dieses mit einem Adhäsiv- bzw. Klebesystem wieder an seiner ursprünglichen Stelle befestigt. Bei komplizierten Frakturen mit Freilegung der Zahnpulpa (= Zahnnerv) muss vor dem Kronenaufbau eine entsprechende Wundversorgung vorgenommen werden. Je länger die Wunde unversorgt blieb, um so problematischer gestaltet sich u.U. die langfristige Vitalerhaltung und Prognose. Daher ist es wichtig, jeder Art Zahnverletzungen umgehend von einem Zahnarzt kontrollieren zu lassen!
Während Kronenfrakturen die häufigsten Unfallverletzungen an den Zähnen darstellen und eine vergleichsweise gute Prognose nach der Erstversorgung aufweisen, gestaltet sich die Behandlung von Kronen-Wurzel- und Wurzelfrakturen häufig deutlich schwieriger. Neben der Zahnschienung sind oftmals endodontische Behandlungsmaßnahmen (z.B. Wurzelkanalbehandlung) vor einen Kronenaufbau erforderlich. Als schwerwiegende Verletzungen müssen ebenso Luxationsverletzungen einschließlich Avulsion und Intrusion eingestuft werden. In der Regel ist eine Schienung der Zähne obligatorisch; je nach Schweregrad der Zahnlockerung ist im Fall des Vitalitätsverlustes ebenso eine Wurzelkanalbehandlung des Zahnes zu erwarten.
Zur Früherkennung möglicher Komplikationen und Spätfolgen ist eindringlich auf die Einhaltung der vereinbarten Kontrolltermine zu verweisen.
Komplikationen und Spätfolgen nach Trauma
Jeder traumatisch geschädigte Zahn kann in seiner weiteren Entwicklung unabhängig von der Schwere der Zahnverletzung gestört werden. So ist der Vitalitätsverlust (Pulpanekrose) einschlich des Auftretens apikaler Entzündungen und Fistelgänge – u.U. auch erst Jahre später – keine Seltenheit. Ebenso ist darauf zu verweisen, dass trotz bestmöglicher Verarbeitung und umfangreicher Erfahrungen der behandelnden Zahnärzte eine wiederholte Anfertigung von Kompositrestaurationen im Falle des Verlustes notwendig ist. In vielen Fällen wird ein Verlust von Frontzahnaufbauten allerdings durch eine ungünstige Zahnstellung bzw. wiederholte Unfälle begünstigt.
Unfälle an den Milchfrontzähnen können u.U. zu Folgeschäden an den bleibenden Frontzähnen führen, da diese vor dem Zahndurchbruch in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Zahnwurzeln der Milchfrontzähne lokalisiert sind. In Folge eines Unfalles wird der „Schlag“ über den Milchzahn fortgeleitet und führt u.U. zu einer Strukturstörung am bleibenden Frontzahn. Nach schwerwiegenden Unfällen sind Wurzelabknickungen ebenso ein Ausbleiben der weiteren Zahnentwicklung beschrieben.
Zahn- und Mundhygiene nach Zahnverletzungen
Während bei „einfachen“ Zahnverletzungen eine reguläre Mundhygiene relativ rasch wieder problemlos möglich ist, kann dies bei geschienten Zähnen durchaus nur erschwert möglich sein. In diesen Situationen ist es nützlich, die tägliche Mundhygiene durch antibakterielle, chlorhexidinhaltige Mundspüllösungen zu ergänzen. Nichts desto trotz sollte versucht werden, mit einer weichen Zahnbürste die Zähne vorsichtig, aber trotzdem gründlich zu reinigen. Denn gerade bei Luxationsverletzungen würde eine plaquebedingte Gingivitis die ohnehin schwierige Situation nur erschweren. Ein nützliches Hilfsmittel zur Reinigung der Zahnzwischenräume ist die sogenannte Super-Floss-Zahnseide. Dabei handelt es sich um spezielle Zahnseidefäden, welche u.a. ein "festes" Ende besitzen. Dieses Ende lässt sich mit etwas Übung problemlos unterhalb der Schiene in den Zahnzwischenraum einfädeln. Somit sind die Zahnzwischenräume ebenso der täglichen Zahnreinigung zugänglich.
Vorbeugung von Zahnverletzungen
Während bei verletzungsgefährdeten Sportarten mittlerweile das Tragen entsprechender Schutzausrüstung in den Wettkampfregeln vorgeschrieben ist, werden im Freizeitbereich Schutzmaßnahmen vor möglichen Verletzungen leider immer noch zu selten ergriffen. Daher soll an dieser Stelle auf das Tragen von Helmen, Protektoren, Mundschutz etc. gerade auch bei Freizeitsportarten, wie z.B. Fahrradfahren, Inlineskaten, Eishockey u.a. hingewiesen werden. Zur Vorbeugung von Zahnverletzungen stehen zudem verschiedene Zahn- und Mundschutz-Arten zur Verfügung:
Individuell hergestellter Zahnschutz
Konfektionierter, individuell anpassbarer Zahnschutz
Konfektionierter Zahnschutz
Ein konfektionierter Zahnschutz bietet keinen wirkungsvollen Schutz im Falle eines Unfalls und kann daher aus zahnärztlicher Sicht keinesfalls empfohlen werden. Am sichersten ist ein individuell hergestellter und bedarfsgerecht verstärkter Zahnschutz. Allerdings ist diese Variante aufgrund des Aufwandes – Abdrucknahme, Modellherstellung, Artikulation, Anfertigung der Schiene – relativ kostenintensiv. Jedoch sollten bei Analyse der Nutzen-Kosten-Relation immer auch die möglichen (Folge)Kosten eines Frontzahntraumas mit einkalkuliert werden. Denn diese können schnell einen vier- oder fünfstelligen Eurobetrag übersteigen …
zurück